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Der sammler unD Jäger
Rudolf Hoesch (1904 - 1990) war nicht nur ein passionierter Jäger, sondern engagierte sich vielfältig für
die Förderung des Jagdwesens, insbesondere im Hinblick auf die waidgerechte Jagdkultur.
Seit den 1920er Jahren als Waidmann in der Eifel aktiv, erweckte er 19 1 den in Köln ansässigen Verein
hirschgerechter Jäger zu neuem Leben (zuvor: Verein hirschgerechter Eifel-Jäger). Er wurde Mitbegrün-
der des „Stifterverbandes für Jagdwissenschaften“ und initiierte als dessen Vorsitzender 19 7 die Einrich-
tung der „Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung“ als Nachfolgeinstitution für die
kleinere, damals im Bonner Museum Koenig provisorisch untergebrachte Forschungsstelle des Landes-
jagdverbandes. Er war zudem Mitbegründer des 1957 in München in der Kaufingerstraße eröffneten
Jagd- und Fischereimuseums.
Auch auf internationaler Ebene engagierte er sich für das Jagdwesen. Im internationalen Rat zur Erhal-
tung der Jagd und des Wildes stand er seit 1978 der Kommission „Die Jagd in der Kunst und Jagdmuseen“
vor. Bereits 1969 hatte er, gemeinsam mit dem Münchner Numismatiker Walter Grasser, das Büchlein
„Jagddarstellungen auf Münzen und Medaillen“veröffentlicht, eines der wenigen Zitierwerke zu diesem
Thema. Zugleich waren Hoesch die waidgerechte Jagd und die damit verbundene Pflege des Bestandes ein
Anliegen. 1971 wurde Rudolf Hoesch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Doch vor allem war Rudolf Hoesch ein neugieriger Jäger, der die Jagd und damit verbunden die Beo-
bachtung von Tieren in der ganzen Welt als Zeugnis menschlicher Kultur verstand. Als einer der ersten
deutschen Waidmänner reiste er mit seiner Frau nach dem Krieg noch unter sportlichen Bedingungen
nach Afrika und sammelte dann in seiner umfangreichen Bibliothek Bücher zu Brauchtum und Jagd in
Europa, Afrika, Asien und auf dem amerikanischen Kontinent.
Nach Auskunft der Sammlernotizen stammen die ersten Erwerbungen von Münzen aus den 19 0er Jah-
ren. Zu dieser Zeit wurde Hoesch vom Münchner Münzhändler Gerhard Hirsch vertreten, wie sich auch
aus unserer Dokumentation von Auktionskatalogen ergibt.
Eine besondere Aktivität entfaltete Hoesch in Bezug auf den Ausbau seiner Sammlung in den 1960er
Jahren bis etwa zur Mitte der 1970er Jahre, wo unser Haus, zunächst in Person von Dr. Busso Peus, dann
durch Dieter Raab den Sammler auf allen bedeutenderen Auktionen vertreten durfte. Was die antiken
Münzen anbelangt, so kam die Sammelleidenschaft bereits zu Anfang der 1980er Jahre zum Erliegen.
Die Sammlung Hoesch ist eine Universalsammlung. Zusammengehalten wird sie durch die Darstellung
von Tieren, Jägern oder Jagdmotiven. Aber völlig losgelöst davon ist es eine Sammlung auf höchstem
Niveau. Sie besticht durch Raritäten auf allen Gebieten von der Antike bis ins 20. Jahrhundert und aus
allen Kontinenten. Daher lohnt sich für jeden Sammler, ob an Tiermotiven interessiert oder nicht, das
aufmerksame Durchblättern. Jeder mag etwas finden. Eine Sammlung in der Sammlung stellen dabei die
Münzen der Grafschaft Stolberg dar, die mit dem prominent angebrachten Hirsch – dem Inbegriff des
Hochwilds – den Sammler besonders faszinierte. Hoesch trug dabei mehr als 160 hier einzeln angebotene
Münzen und Medaillen zusammen (einige weitere werden in Lots angeboten). Einige davon sind nach
unserer Kartei seit Jahrzehnten nicht mehr am Handel angeboten worden.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Familie Hoesch für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns
sehr, dass wir diese bemerkenswerte Sammlung versteigern dürfen.
Christoph Raab